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Werner Reinke

Werner Reinke (* 19. Juni 1946 in Delmenhorst) ist ein deutscher Hörfunkmoderator und Sprecher.


Inhaltsverzeichnis

Laufbahn

Frühe Jahre

Schon früh mit dem Rundfunkvirus infiziert, lauscht der achtjährige Werner fasziniert am nachbarlichen Radio – zu jener Zeit gab es im Hause Reinke noch keinen Empfänger – der legendären Reportage Herbert Zimmermanns zum Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft. Erste praktische Erfahrung als Rundfunkansager sammelt er mit etwa vierzehn mittels eines zum Mikrofon umfunktionierten Kopfhörers, des neuen elterlichen Röhrenradios und eines langen Kabels zwischen ihm (mit „Mikrofon“) einerseits und seinen (dankenswert nachsichtigen) Eltern am Radiogerät andererseits.

Reinke lernt zunächst Holzimportkaufmann in Bremen. Während seiner Bundeswehrzeit jobbt er nebenher in der Delmenhorster Diskothek „La Palma“, wofür ihn ein Freund mit aktuellen Hitsingles aus Großbritannien versorgt. In diese Zeit fallen auch seine ersten drahtlosen Rundfunkerfahrungen durch den Betrieb eines Schwarzsenders auf dem Gelände der Oldenburger Kaserne. Werner Reinke selbst hierzu:

„Das war alles selbst gebaut, und zwar […] von dem Kameraden [N. …], der hat ein schönes Tonbandgerät gehabt, dabei, und hatte so ein kleines Kästchen, das war dann auch schon der Sender. Und das hängten wir dann hinten ans Tonbandgerät und beschallten dann das gegenüberliegende Krankenhaus. […] Und irgendwann kam dann auch der berühmte gelbe Wagen, […] und glücklicherweise gab es in dieser Kaserne […] eine Abteilung Fernmelder und eine Abteilung Artillerie; und die Deutsche Bundespost schloß messerscharf – und falsch! –, daß dieser Sender natürlich von den Fernmeldern kommt.“

Zum Glück des Artilleristen Reinke.

Radio Bremen

Als begeisterter Hörer der spätabendlichen „PlattenpromenadeGünther Bollhagens auf Radio Bremen bietet Reinke Bollhagen an, seine englischen Importplatten in dessen Sendung einzusetzen. Bollhagen sagt zu und lädt Reinke ins Studio ein. (Ein für einen Radiobegeisterten außerordentlich persönlichkeitsprägendes Ereignis, wie der Autor dieser Zeilen selber erfahren konnte.) Reinke:

„Ich importierte als Diskjockey […] Schallplatten und stellte die diesem Günther Bollhagen zur Verfügung. Da lernte ich ihn kennen, durfte – live! – neben ihm sitzen, als er live sendete. Faszinierend! Gänsehaut!“

Bollhagen wird auf das sprecherische Talent Reinkes aufmerksam und verordnet ihm Sprecherziehung bei Paul Henn:

„…dann hab’ ich mir irgendwann ein Herz gefaßt und hab’ ihn gefragt, was man denn so tun müsse, um zum Rundfunk zu kommen. Und der hat mich wiederum weitervermittelt an einen Sprecherzieher.“

Bald darauf darf er parallel auch eine Sendung moderieren: „Journal 1605 – Meldungen, Meinungen, Musik“ auf Radio Bremen 2. Eine Grippewelle in Bremen, die auch die Nachrichtensprecher des ansässigen Senders nicht verschont, verhilft Reinke 1969 nach nur halbjähriger sprecherischer Ausbildung auf Empfehlung seines Sprecherziehers zu einer Mikrofonprobe; er wird daraufhin von Chefsprecher Hans Pelters schon am nächsten Morgen regulär eingesetzt:

„[Hans Pelters] sagte: ‚Was machen Sie morgen früh um sechs?‘ Und ich sagte: ‚Bis jetzt noch nix.‘ Und am nächsten Morgen um sechs saß ich neben ihm; er sprach die Sechs-Uhr-Nachrichten, ich machte [dazwischen] Zeitansagen – ‚Die Zeit: Sechs Uhr zehn, zehn Minuten nach sechs‘ – […] und um halb acht sprach ich bereits Kurznachrichten, um acht die Fünf-Minuten-Nachrichten, um neun Zehn-Minuten-Nachrichten, und dann ging Hans Pelters nach Hause…“

Reinke macht schnell Karriere im Bremer Funkhaus:

„…da ich der einzige mit einer sehr tiefen Stimme war bei Radio Bremen, flogen alle Türen auf. [Es war so], daß alle Auslandskorrespondentenberichte [aufgrund der damals schlechten Leitungen] über Telex kamen und die alle gesprochen werden mußten, und da suchten die halt jemanden mit einer glaubwürdigen, dunklen, seriösen Stimme und fanden mich dann. […] Und es gab jedesmal dreißig Mark, da hab ich mir die Nase wegverdient! Und es war eine gute Schule. Ich hab’ dann auch Reportagen gemacht, war im Sport, hab’ in der Nachrichtenabteilung ausgeholfen – bei so einem kleinen Sender wie Radio Bremen war das einfach phantastisch, weil man so eine unglaubliche Bandbreite mitbekam.“

Hessischer Rundfunk

Als Günther Bollhagen Reinke als seine Urlaubsvertretung vorschlägt, moderiert jener zeitweilig auch Bollhagens Frühsendung „Wir empfehlen – Sie wählen“, eine Produktion der RB-Werbetochter Norddeutsche Funkwerbung. Später hören Hanns Verres und Werner Klein vom Hessischen Rundfunk, ursprünglich Richtung Hamburg auf Talentsuche beim NDR unterwegs, etwa auf Höhe des Autobahndreiecks Walsrode im Autoradio Reinke, der inzwischen eine eigene Frühsendung hat („Hansawelle Freitagfrüh“). Sie entscheiden sich spontan, ihr Reiseziel zu ändern und die Ausfahrt nach Bremen zu nehmen. Ab 1971 ist Reinke dann auch auf dem Frankfurter Sender zu hören; zunächst zwischen Bremen und Frankfurt pendelnd, ab 1973 dann ausschließlich an der Bertramstraße.

Zu diesem Zeitpunkt übernimmt Reinke das Flaggschiff der popmusikalischen Unterhaltungssendungen des hr, die „Hitparade International“, die er insgesamt 777mal, wie einst Hanns Verres seine „Schlagerbörse“, moderiert. Außerdem tritt er, teils im Wechsel mit anderen Kollegen, in zahlreichen weiteren Sendungen auf und erreicht dabei im Laufe der Zeit Kultstatus.

Rückzug

Aufgrund der zwischen ihm und seinem Haussender divergierenden Vorstellungen über die Zukunft des Rundfunks zieht sich Reinke im Juli 1989 von der Radiomoderation zurück, um nur noch als freiberuflicher Sprecher in der Werbung („Mon Chéri“) und Präsentator von Veranstaltungen zu wirken. Zwischen 1991 und 2000 ist er Stadionsprecher des American-Football-Clubs „Frankfurt Galaxy“.

Neubeginn

Im Rahmen des 30. Geburtstages der Popwelle hr3 moderiert er im Februar und März 2002 noch viermal Sonderausgaben der längst eingestellten „Mittags-Discotheke“. Überwältigende Hörerreaktionen bringen ihn wieder dazu, regelmäßig im Radio zu moderieren:

„Das Irre war, ich war ja dreizehn Jahre nicht da, und dann haben wir mal wieder eine Mittags-Discotheke gemacht. […] Die haben [danach] soviel Echo bekommen aus der Hörerschaft, daß die [Hörer] genau dieses so haben wollen, daß sowohl der Hessische Rundfunk als auch ich nicht dran vorbei kamen, […] also haben wir eine Sendung gemacht, die zunächst mal genauso angelegt war, wie die Mittags-Diskotheke auch gewesen ist.“

Bis Ende 2008 war Werner Reinke in der Sendung „hr3 – extra am Samstag“ samstags zwischen 9:00 und 12:00 Uhr zu hören. Auch war Reinke zwischen 2003 und 2009 Stationvoice bei hr3.

Im Januar 2009 wechselte Reinke zur Welle hr1. Dort führt er die samstägliche Sendung unter dem Titel „Reinke am Samstag“ zur selben Sendezeit thematisch weiter. Außerdem kehrte er am Donnerstagabend mit der Sendung „Lounge“ an seinen traditionellen Sendeplatz in hr1 zurück – darin finden, zum Teil kontrolliert abseits des ansonsten recht engen Formats der Welle, etwas sperrigere Inhalte statt: Hörerwünsche, seltene Livefassungen, längere Titel, Sondersendungen mit Bekanntheiten aus dem Showgeschäft, Rückblenden z. B. auf alte Ausgaben der Hitparade International, usw. statt.

Von Werner Reinke moderierte Sendungen

Radio Bremen

u. a.

Hessischer Rundfunk

u. a.

Quellen

  • Interview mit Thomas Koschwitz
  • Interview mit Norman Osthus
  • Interview mit Gunnar Poschmann und Petra Werner (Wartburg Radio 96,5 Eisenach)
  • Persönliche Mitteilung Werner Reinkes

Siehe auch:

Weblinks